Berufshaftpflicht - und Standesrecht PDF Drucken E-Mail
Berufshaftpflicht- und Standesrecht


Ein Prozess geht anders aus als vom Anwalt vorausgesagt. Der Klient meint, er hätte diesen eigentlich gewinnen müssen oder zumindest ein für ihn viel günstigeres Urteil erreichen können. Für den Prozessverlust und die daraus resultierenden Kostenfolgen macht der Klient seinen ehemaligen Rechtsvertreter verantwortlich, der es verabsäumt habe, eine grundsätzlich entscheidende, rechtliche Einwendung des Prozessgegners substantiiert zu widerlegen - trotz Aufforderung des Gerichts in der mündlichen Verhandlung. Die im  nachhinein eingeholten Rechtsmeinungen bekannter Juristen bestätigen die Annahme, der ehemalige Rechtsanwalt sei ausschliesslich für den negativen Prozessausgang und den
dadurch entstandenen Schaden in deren eigener Rechtssache und natürlich für den verlorenen Rechtskostenaufwand verantwortlich.

In solchen Fällen stellt sich der Klient die Fragen:

Wie geht man als Geschädigte/r in so eine m Fall vor?

Sollte man sogleich einen Anwalt beauftragen, den Schaden geltend zu machen?

Kann ich in so einem Fall mein Recht durchsetzen?

Wie ist das Rechtsverhältnis zwischen versichertem Anwalt und seiner Haftpflichtversicherung?

Hat der Anwalt seine Standespflichten eingehalten und wenn nein, war dies Mitursache für den Prozessverlust?

Wird die Haftpflichtversicherung des Anwaltes den Fall objektiv prüfen oder den Anwalt schützen?

Bei all diesen Fragen zur angesprochenen Thematik muss allerdings beachtet werden, dass der Rechtsanwalt keinen „Prozesserfolg " schuldet, sondern bei der Prozessvertretung die Regeln der Kunst (legis artis) und der gebotenen Sorgfalt einzuhalten hat; dazu zählt beispielsweise die hinreichend Beachtung von Fristen, Einholung von Grundbuchs- oder Handelsregisterauszügen, Erstattung aller notwendigen sachlichen und rechtlichen Vorbringen, sofern sich dieses nicht als von vorneherein als aussichtslos oder notorisch falsch darstellt, etc., etc.

Es kommt aber mitunter auch vor, dass der Anwalt Unterlagen zurückbehält oder von der gänzlichen Bezahlung seiner Honorarforderung abhängig macht oder aber diese von eingegangenem Geld aus einem Prozess abzieht. Ob dies rechtens ist oder nicht kann auch Gegenstand eines Verfahrens vor der Standesvertretung sein, welche die Rechtmässigkeit auch nach standesrechtlichen Vorschriften prüft und gegebenenfalls ein Disziplinarverfahren einleitet. Dabei ist allerdings auch zu beachten, dass auch dann, wenn ein Verhalten standeswidrig ist, nicht zwangsläufig auch ein Haftungsanspruch des Anwaltes begründet wird.

Es ist daher wesentlich, alle anwaltliche Hilfe beizuziehenden und die vorgestellten Fragen einer umfassenden Beurteilung anhand der konkreten Prozessakte vornehmen zu lassen, um weiter en Schaden durch einen unnötigen Prozess zu vermeiden.