Erb - und Pflichtteilsrecht / Nachlassregelung PDF Drucken E-Mail
Erb- und Pflichtteilsrecht


„Mensch gedenke, dass Du sterben musst!"

Diesen Spruch sollte man (immer wieder) vor Augen haben und damit rechtzeitig dafür sorgen, dass das Vermögen, das man im Laufe seines Lebens erarbeitet bzw. angespart hat, dem "richtigen Erben" zukommt. Dies kann mit einer letztwilligen Verfügung sichergestellt werden. Allerdings ist dabei zu beachten, dass der an sich im Privatrecht vorherrschende Grundsatz der "Privatautonomie" nach liechtensteinischem und österreichischem Erbrecht beruht, durch das Pflichtteilsrecht des Ehepartners und der Kinder und Kindeskinder bzw. für den Fall, dass kein Nachkommen vorhanden ist, der Eltern beschränkt wird.

Ebenfalls ist zu beachten, dass nicht nur das zum Zeitpunkt des Ablebens des Erblassers vorhandenes Vermögen für die Berechnung des Pflichtteilsanspruches relevant sein kann, sondern auch allenfalls vorher vom Erblasser verschenkte Vermögen. Dabei spielen allerdings zwei Kriterien eine Rolle nämlich: Wurde das vor dem Tod verschenkte Vermögen oder Teile davon einem Pflichtteilsberechtigten oder Nichtpflichtteilsberechtigtem geschenkt und wenn letzteres zutrifft, ob dies innerhalb von zwei Jahren vor dem Tod des Erblassers erfolgt ist.

Je nachdem stehen einem Pflichtteilsberechtigten die Möglichkeiten offen, die Übertragung von Vermögen des Erblassers vor seinem Tod anzufechten oder sich diese zumindest werterhöhend bei der Ausmittlung des Pflichtteils anrechnen zu lassen. Beachtlich ist in diesem Zusammenhang auch, dass liechtensteinische Anstalten und Stiftungen gleich wie eine Schenkung von Erben/Pflichtteilsberechtigten angefochten werden können, wenn sie zugunsten von Drittbedachten unentgeltlich errichtet worden sind.

Im Falle des Vorhandenseins eines Unternehmens oder auch einer Begünstigung an einer liechtensteinischen Stiftung oder sonstigen Verbandsperson (juristische Person), empfiehlt sich sohin rechtzeitig rechtlichen anwaltlichen Beistand zu konsultieren, zumal nach Liechtensteinischem internationalen Privatrecht das Erbstatut des Erblassers und nicht liechtensteinisches Recht maßgeblich ist. Das Erbstatut des Erblassers verweist in den meisten Fällen auf das Recht des Staates, dessen Staatsbürgerschaft der Erblasser besessen hat.
So kann beispielsweise ein französischer Erbe, dessen Pflichtteil verletzt wurde, 30 Jahre lang seinen Pflichtteilsanspruch durchsetzen und seine erbrechtlichen Ansprüche gehen über jene nach liechtensteinischem Erbrecht hinaus. Auch gelten nach liechtensteinischem Recht kürzere Fristen zur Geltendmachung des Pflichtteilsanspruches als beispielsweise nach französischem Recht.

Aus nahe liegenden Gründen ist auch für internationale Klienten die Frage relevant, ob ein Erblasser Vermögen in liechtensteinische Stiftungen, Trusts oder andere Verbandspersonen oder bei Banken angelegt hat, von denen die Erben (noch) nichts wissen. Zur möglichen Aufdeckung derartiger "verschollener" Vermögenswerte sehen liechtensteinische Anwälte geeignete Massnahmen zur Verfügung.

Während der Mensch zwar „gewöhnliche" Angelegenheiten, wie zB. Urlaube etc., penibel plant, schiebt er eine geordnete Nachlassplanung gerne auf, verdrängt sie ganz oder handelt vorschnell und in aller Eile. Oft aus Anlass des unerwarteten Todes eines Freundes, Bekannten oder Verwandten. Dies kann aber im Ernstfall für die Erben und vor allem auch für den nicht eingetragenen Ehe- oder Lebenspartner verheerende Folgen haben etwa, weil sie nicht mehr über flüssige Geldmittel verfügen oder aber dass Kinder in eine unerwünschte Vormundschaft kommen.

Daher kann mit einer gezielten Nachlassplanung nicht nur die finanzielle Absicherung der Hinterbliebenen erfolgen, sondern kann mit einem Nachlassplan auch die Steuerlast reduziert und zudem erreicht werden, dass der Nachlass so weitergegeben wird, wie es gewünscht wird. Abgesehen davon, dass auch für die Rechtsnachfolger Klarheit geschaffen wird, was sie erwartet, was auch Streitigkeiten vermeiden hilft.