Geschäftsführerhaftung und Verantwortlichkeitsrecht PDF Drucken E-Mail
Unter Geschäftsführerhaftung

versteht man die Haftung des Organs (Geschäftsführer, Verwaltungsrat, Treunehmer [trustee] oder Stiftungsrat) einer Gesellschaft für den Schaden, der durch Verletzung einer ihm aufgrund des Gesetzes oder Vertrages auferlegte Pflicht der Gesellschaft selbst oder aber deren Gesellschaftern und/oder Gläubigern der Gesellschaft verursacht wurde.
Dabei kommt es ua darauf an, dass die Verringerung/Vernichtung des Vermögens der Gesellschaft pflichtwidrig erfolgt ist [beispielsweise durch unrechtmässige Rückzahlung von Stammeinlagen an die Gesellschafter, die unrechtmässige Auszahlung von Zins- oder Gewinnanteilen] geführt hat oder pflichtwidrig die Regel der Buchführung nicht eingehalten und bei Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung nicht rechtzeitig ein Insolvenzverfahren eingeleitet bzw. angemeldet wurde.
Die dem Geschäftsführer treffenden Pflichten können gesellschaftsrechtlicher, öffentlich-rechtlicher oder vertragsrechtlicher Natur sein.

Voraussetzung für die Haftung eines Organs einer Gesellschaft sind die allgemeinen Haftungsvoraussetzungen des liechtensteinischen Schadenersatzrechtes, nämlich:

- Vorliegen eines ersatzfähigen Schadens (die Strafsteuer zB., die ein Stifter oder Wirtschaftlich Berechtiger an die Steuerbehörde zahlen muss, ist nicht ersatzfähig);
- rechtswidriges d.h. gegen ein Gebot oder Verbot der Rechtsordnung oder vertragswidriges Verhalten;
- schuldhaftes d.h. dem Geschäftsführer persönlich vorwerfbares Fehlverhalten, das bei Beachtung der gebotenen Sorgfalt vermieden hätte werden können;
- Kausalität des Fehlverhaltens für den eingetretenen Schaden (wäre der Schaden auch ohne ein Fehlverhalten des Geschäftsführers eingetreten, liegt keine Kausalität seines Verhaltens vor).
Die Haftung des Gesellschaftsorgans (Geschäftsführers, Verwaltungsrates, Stiftungsrates, Treuhänders) kann zivilrechtlicher, öffentlich-rechtlicher (also für Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) oder auch strafrechtlicher Natur (Krida) sein.
Die Haftung eines Organs einer Verbandsperson liechtensteinischen Rechts beruht vorwiegend auf vertragsrechtlicher und nicht deliktischer Rechtsgrundlage. Das Gesetz hat ausdrücklich im Gesetz einen sogenannten "Pflichtenkatalog" aufgestellt, bei deren Verletzung die Haftung ex lege als gegeben angenommen werden kann; der Beweis des Gegenteils ist aber möglich. Inzwischen hat die Spruchpraxis der liechtensteinischen Gerichte auch die Anwendung der sogenannten „Business-jugdment-rule" für das liechtensteinische Verantwortlichkeitsrecht anerkannt.

Damit kann sich kein Organ mehr auf das vertragliche Weisungsrecht des wirtschaftlich Berechtigten oder ein sonstiges faktischen Organs ausreden und sich von der Haftung befreien. Vielmehr hat jedes Gesellschaftsorgan sein Handeln nach dem Gesellschaftszweck und den Statuten auszurichten und jede Geschäftstätigkeit eines anderen Organs zu hinterfragen und sich zumindest darüber zu informieren.
Der liechtensteinische Gesetzgeber hat inzwischen auch die ständige Spruchpraxis des liechtensteinischen Obersten Gerichtshofes zur Verjährung umgesetzt und gemäss der allgemeinen schadenersatzrechtlichen Bestimmung, die Kenntnis des Schadens als Beginn der Verjährungsfrist eingeführt. Bis dahin galt die spezialrechtliche Verjährungsfrist von 2 Jahren ab schädigendem Verhalten.

(Für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Darstellung der jegliche Haftung ausgeschlossen)