A/ 5 . Das Treuunternehmen (Die Geschäftstreuhand) PDF Drucken E-Mail

Treuunternehmen (Treuhänderschaft / Trust settlement) *)
 

Die Treuhänderschaft ist dem anglo-amerikanischen Vorbild des Trusts nachempfunden.

Dieses Rechtsinstrument ist ähnlich wie die Stiftung einsetzbar, erlaubt aber eine etwas freiere Ausgestaltung, da sie keine Zweckbeschränkung, wie im stiftungsrecht vorgesehen, kennt.

Der Treugeber (settlor) wendet dem Treuhänder (Trustee oder salmann) bewegliches oder unbewegliches Vermögen oder ein Recht (als Treugut) mit der verpflichtung zu, dieses als Treugut im eigenen Namen als selbständiger Rechtsträger zu Gunsten eines oder mehrerer Dritter (Begünstigter) mit Wirkung gegen jedermann zu verwalten oder zu verwenden.

Im Gegensatz zur Stiftung handelt es sich bei der Treuhänderschaft nicht um eine juristische Person, sondern um ein Rechtsverhältnis vertragsähnlicher Natur


Errichtung


Die Treuhänderschaft wird in der Praxis insbesondere mit der Unterzeichnung der Treuhandurkunde durch den Treugeber (Errichter/settlor) und den Treuhänder (Trustee) oder durch Treuhandbrief begründet. Der Eintragung im Handelsregister (anstelle der Hinterlegung wie bei der Stiftung) kommt keine konstitutive Wirkung zu.   


Die Beteiligten sind:

  der Treugeber (Errichter), wobei das Vertragsverhältnis (Treuhandurkunde = Errichtungsakt) schriftlich abgefasst werden muss;
  der oder die Treuhänder (die Annahme des Mandats muss in Schriftform erfolgen) sowie
   der oder die Begünstigten.

Entstehung

 Die Treuhänderschaft wird in der Praxis insbesondere mit der Unterzeichnung der Vereinbarung (Treuhandurkunde) durch Treugeber (Errichter) und Treuhänder oder durch Treuhandbrief begründet. Der Eintragung im Handelsregister (anstelle der Hinterlegung) kommt keine konstitutive Wirkung zu.


Eintragung oder Hinterlegung


Wird die Treuhänderschaft auf die Dauer von mehr als zwölf Monaten begründet, ist diese innert zwölf Monaten nach ihrer Begründung im Handelsregister einzutragen, wenn der Treuhänder oder einer der Mittreuhänder seinen Wohnsitz bzw. sitz im Inland hat. Hierbei sind folgende Angaben zu machen: Datum der Errichtung, Bezeichnung der Treuhänderschaft, Dauer (kann unbestimmt sein), Name, Vorname und Wohnort bzw. Firma und Sitz des Treuhänders. Nach erfolgter Eintragung kann jedermann einen Handelsregisterauszug mit den genannten Angaben erhalten.

Als Alternative zur Eintragung besteht die Möglichkeit der sogenannten Hinterlegung der Treuhandurkunde oder einer beglaubigten Abschrift innert zwölf Monaten nach Begründung des Treuhandverhältnisses beim Handelsregister. Die hinterlegten Dokumente resp. Angaben betreffend die Treuhänderschaft können wie bei der hinterlegten Stiftung grundsätzlich nur vom Hinterleger (Treuhänder) eingesehen werden.


Treugut

Gesetzlich ist kein Mindesttreugut (Vermögenszuwendung) vorgeschrieben.


Verwaltung

Die Verwaltung obliegt dem oder den Treuhändern. Der Treuhänder verwaltet das Vermögen in seinem eigenen Namen mit persönlicher Verantwortung zu Gunsten der Begünstigten.


Begünstigte

Der Treugeber (Errichter) kann selbst Begünstigter sein, der Treuhänder allein jedoch nicht. Sind keine Hinweise auf Begünstigte erkennbar, besteht die Rechtsvermutung, dass der Treugeber selbst Begünstigter ist. 


Kontrollorgane


Um die Einhaltung der Bestimmungen in der Treuhan­durkunde durch den Treuhänder abzusichern, kann eine Revisionsstelle, ein Protektor (Beirat), ein Kurator oder ein Kollator, wie bei der Stiftung unter «Organe» beschrieben, bestellt werden.

 
Steuern

Die Vermögenswidmung durch Personen ohne Wohn­sitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Liechtenstein unterliegt nicht der liechtensteinischen Widmungsteuer. Zuwendungen (Ausschüttungen) einer liechtensteinischen Treuhänderschaft an ausländische Begünstigte unterliegen in Liechtenstein grundsätzlich keiner Besteuerung. Allfällige Steuerpflichten im Domizilland der Beteiligten oder bestimmte Abkommensverpflichtungen sind zu beachten.

Treuhänderschaften unterliegen grundsätzlich ledig­lich der Mindestertragssteuer in der Höhe von CHF 1'200 p.a.

 
Ausländisches Recht
 
Treuhänderschaften können in Liechtenstein auch nach ausländischem Recht errichtet werden. Im Verhältnis zwischen Treugeber, Treuhänder und Begünstigten gelten die in der Treuhandurkunde ausführlich aufzu­nehmenden Treuhandvorschriften des ausländischen Rechts, im Verhältnis zu Dritten jedoch ist liechtenstei­nisches Recht anwendbar.


Buchführung

Der Treuhänder ist verpflichtet, die Treugüter von seinem eigenen Vermögen strikte zu trennen. Unter Umständen ist dazu eine geordnete Buchhaltung erforderlich. Der Treuhänder hat zumindest über das Treugut ein besonderes Vermögensverzeichnis anzulegen und dieses alljährlich zu aktualisieren

 
*) Diese Darstellung ist der Broschüre der Liechtensteinischen Treuhändervereinigung, Vaduz, „Gesellschaftsformen im Fürstentum Liechenstein“ entnommen. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Darstellung der jegliche Haftung ausgeschlossen.